Helden gesucht / Als Verlierer kehren die deutschen Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg heim. Auf Milde dürfen sie kaum rechnen. Trost und Bestätigung spenden sie sich gegenseitig – so prägt der Militarismus die Weimarer Republik / Spiegel Geschichte, 2020

 

Endlich ist der Krieg ist aus, das ist die gute Nachricht. Blasmusik erklingt auf den Straßen, „Ehrenjungfrauen“ gehen vorweg, streuen Blumen, dahinter ziehen die Heimkehrer auf festlich geschmückten Wagen ein. Die Deutschen sind ermattet und erleichtert.

Der Krieg ist verloren, das ist die schlechte. Seit Ende 1918 machen sich sechs Millionen deutsche Soldaten und mehr als 800.000 Kriegsgefangene auf den Heimweg, dazu kommen 1,5 Millionen Kriegsbeschädigte, damals „Kriegskrüppel“ genannt. „Das Kinn ist weggeschossen und Nase und Oberlippe hängen frei in der Luft. Oder nur ein halbes Kinn fehlt. Und dafür eine Nasenhälfte der Länge nach“, so beschreibt der Schriftsteller Joseph Roth an Anblick. „Oder quer durch das ganze Gesicht fuhr eine Granate spazieren, und ihr Führungsring blieb im Ebenbilde Gottes haften, im Antlitz eines weißen Menschen. Oder irgendeinem fehlt der Mund, die Lippen fehlen, die Lippen, mit denen er küssen, flüstern konnte.“