In den Ring des Lebens geworfen / Früher ließ Charly Graf Huren für sich laufen, kam ins Gefängnis und boxte sich weise. Heute trainiert er Kinder, die sind, wie er selbst einmal war / freitag, 2010

Für einen Moment ist es wie in der Tanzschule, „Links, links, rechts, und wegducken. Und jetzt den anderen Fuß nach vorn, und weiter!“ Lehrer Charly Graf, hüftlocker und geschmeidig, zeigt, wie es geht. Die Schüler um ihn herum tun es ihm nach, in Zweierteams. Tapsig und steif zuerst, dann beherzter. Es ist ein Tanz mit Boxhandschuhen, bei dem die Schüler zuschlagen und zugleich etwas fürs Leben lernen sollen.

Satt schmatzen die Handschuhe aufeinander. Zuerst grinsen die Jungs unsicher, weil es sich komisch anfühlt, dann langen sie fester hin, mit grimmigeren Gesichtern. Schweißperlen. Charly Graf, ein geschmeidiger Koloss, der früher mal Zuhälter war und heute Sozialarbeiter ist, dreht ihnen den Rücken zu. Er weiß: Sie werden nicht aufhören zu boxen. Sie werden nicht nach einer Raucherpause fragen. Sie werden nicht aufs Klo müssen. Sie werden weitermachen. Weil sie es wollen.

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