Zimmer frei / Ein Somalier und ein Syrer landen in Bayern. Nicht im Heim, sondern bei Privatleuten zu Hause. Und dann? / taz, 2014

 

Als Rony Hemidi mit dem Rücken zum Altar der Kirche steht und 250 Menschen ihn anstarren, weiß er, dass ihm das helfen soll. Es fühlt sich nur nicht so an. Ein Mann hat ihn zum Ende der Sonntagsmesse nach vorn geholt und gesagt: Das ist Rony, 25 Jahre alt, ein Flüchtling aus Syrien, katholischer Christ. Duldung bis Frühjahr 2016, spricht Englisch, lernt Deutsch, kocht Arabisch, Familie zerstreut in alle Winde, sucht dringend ein Zuhause, wer ein Zimmer frei hat, möge sich bitte melden. Sonst drohe das Obdachlosenasyl.

Rony Hemidi blickt über die Menschen auf den Bänken der Ottobrunner Magdalenenkirche hinweg auf das bunte Fensterkreuz hinter der Orgel. „Sie starrten mich an wie einen Fremden, der in ihr Haus eindringen will. Ich weiß, sie meinten es nicht böse.“

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